Vorab ein kleiner Disclaimer, wenn auch eher nutzloser Natur:
Dieser Beitrag ist subjektiv und gibt unsere persönliche Meinung wieder!
Wir waren unterwegs. Wir, das sind Kobotroll und phbaer, zwei Südländer aus Bayern und Baden-Württemberg, angestellt an der Uni Kassel. Momentan sind wir dabei, einen autonomen Roboter zu bauen. Genau für diesen Zweck mussten wir uns in das unheimliche Einkaufsgetümmel der Stadt Kassel wagen. Dabei entstand die Idee, die von uns besuchten Geschäfte zu bewerten. Wir versuchen dabei völlig neutral zu bleiben, was bei der von uns erlebten Situation nicht sonderlich einfach ist. Hier der Bericht.
Um den Grip der Räder unserer Roboter zu erhöhen, waren wir am Freitag morgen auf der Suche nach Fahrradschläuchen. Genauer gesagt suchten wir einen Schlauch eines Rennrads, mit möglichst glatter Oberfläche. Glatt deshalb, weil der Schlauch über die Räder gezogen werden soll. Unebenheiten im Gummimantel wirken sich auf die freie Beweglichkeit der Räder negativ aus. So weit, so gut. Wir dachten nicht, dass diese Produktanforderungen problematisch sind. Wir sollten jedoch eines Besseren belehrt werden.
Radsport Bornmann
Als erstes gingen wir in den Fahrradladen, der sich schräg gegenüber der Universität in der Wilhelmshöher Allee befindet. Radsport Bornmann. Wie auf der Webseite zu lesen ist, sollte man sich schon auf eine besondere Umgangsart gefasst machen:
``Wir sind eine unkomplizierte und schnelle Truppe von jungen Leuten die einiges möglich machen und auch jede Menge Spaß bei der Arbeit haben.
Sicherlich ist in unserem Geschäft nicht alles so, wie Sie es von der Konkurrenz gewohnt sein mögen, mit unserem eigenen Stil und auch Umgangsart. Dieser Stil mit den besten Preisen, gepaart mit Ehrlichkeit und Offenheit, wird von vielen geschätzt und wir hoffen, dass auch Sie diese Art schätzen lernen.''
Diese neue Art der Freundlichkeit konnten wir auch dann schnell am lebendigen Beispiel erfahren. Wir betraten das Geschäft. Großer Raum, voll gestellt mit Fahrrädern -- gut, ist ja auch ein Fahrradladen. Ich begab mich zur Theke. Einige Leute, offensichtlich Mitarbeiter, waren damit beschäftigt, Kisten auszupacken. Ich stellte mich an die Ein-Mann-Schlange. Kurze Zeit später war ich dann an der Reihe, und ein etwas älterer Mann forderte mich auf, meinen Wunsch zu äußern. Da ich ein Stück alten Fahrradschlauch als Beispiel dabei hatte, sagte ich ``Ich hätte gernen einen Fahrradschlauch, wie diesen hier.'' Er drehte sich um, zum Regal hinter ihm. Da fügte ich noch hinzu: ``Aber mit möglichst glatter Oberfläche.'' Er entgegnete mir: ``Was? Sowas habe ich ja noch nie gehört! Ich verkaufe Fahrradschläuche!'' Er drehte sich von mir weg und bediente den nächsten Kunden. Ich stand da, Kobotroll daneben. Wir schauten uns an, waren sprachlos. Ich sagte dann etwas in der Art: ``Ähh, hallo? Was war das denn jetzt bitte?!?''. Er, freundlich wie schon zuvor, warf mir an den Kopf ``Gehen Sie jetzt!''. Wir konnten das nicht fassen? Hatte ich etwas Falsches gesagt? Was war da los? Ich sagte nochmals, dass ich doch nur einen Fahrradschlauch haben möchte. Er blieb hart. Auch Kobotroll konnte sich jetzt nicht mehr zurückhalten, und wollte wissen, was hier passiert war. Er schmiss uns raus. Gezwungenermaßen haben wir dann das Ladenlokal verlassen.
Vor der Türe wollte gerade der Kunde, der dann bedient wurde, auf seinem Fahrrad den Schauplatz verlassen. Er grinste. Ich fragte ihn, was das sollte und was da überhaupt passiert war. Er meinte nur ``Das ist normal. Da darf man sich nichts dabei denken.'' Wir sollten es einfach nochmal versuchen. Gesagt, getan. Nochmal rein. Der nette Verfäufer von gerade eben stand immer noch hinter der Theme. Er machte nicht den Eindruck, dass er was verkaufen wollte, drum fragte ich ihn, ob es noch andere Verkäufer gibt. Da diese Firma aber anscheinend nicht auf Kunden angewiesen war, schmiss er uns erneut raus. Ich fragte dann noch, wo wir denn einen anderen Fahrradladen in Kassel finden könnten. Er, wie immer freundlich, erwiderte ``Da in der Innenstadt.''.
Wertung: Ungenügend
Kein Einkaufserfolg beim ersten Geschäft. Mir machten uns auf in Richtung Innenstadt.
Zweiradtechnik und Fachservice ZAHN

Nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Apotheke, um nach dem Weg zu fragen, erreichten wir dann Zweiradtechnik und Fachservice ZAHN, günstig gelegen direkt neben dem Capitol. Mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend betraten wir schließlich das zweite Fahrradgeschäft. Wir stellten uns an und warteten gespannt darauf, bedient zu werden. Alles war möglich. Die Frau hinter der Theke erschien uns gleich sympathisch. Sie fragte, was wir suchen würden. Ich schilderte ihr unser Anliegen und siehe da: freundlich, hilfsbereit und engagiert! Sie organisierte uns gleich einen alten Schlauch aus der Werkstatt, packte einen neuen Schlauch aus, prüfte die Nahtstellen, schnitt überflüssiges Material an eben diesem ab. So hatten wir uns das vorgestellt! Es gibt auch in Deutschland noch Läden — wenn auch nicht all zu viele –, die ihren Kunden mit Freundlichkeit begegnen. Am Ende sind wir dann sogar mit zwei Schläuchen, beide leider mit etwas zu viel Profil, wieder in Richtung Uni gelaufen.
Es tut mir leid, dass ich hier nicht mehr schreiben kann. Ich gehe bei Einkäufen von einer gewissen Freundlichkeit der Geschäftsinhaber und Verkäufer aus. Andernfalls kann ich mich, Marktwirtschaft und Konkurrenz sei dank, auch anders entscheiden. Wir können nur eines sagen:
Zweiradtechnik und Fachservice ZAHN in Kassel, direkt neben dem Capitol, ist ein sehr empfehlenswertes Fahrradlädelchen mit freundlichem und kompetentem Personal.
Wertung: Hervorragend
Nachbereitung
Gut. Der Tag hat uns viele Gedanken beschert. Wir konnten uns nicht entscheiden, welches der beiden Unternehmen seine Kunden eher würde halten können, sofern es überhaupt Kunden gibt, die es gilt zu halten. Für uns ist die Sachlage jedenfalls klar.
Was uns dann aber noch weiter beschäftigt hat, war die Reaktion einiger Kasselaner (oder Kasseler oder Kasseläner, oder wie man da auch immer sagt. Für uns sind es der Einfachheit halber nur Kassler) hat uns schon etwas zu Denken gegeben.
Als wir bei ZAHN unsere Geschichte erzählten, natürlich ohne Namen zu nennen, wussten sie sofort, wo wir zuvor rausgeflogen waren. Etwas später am Tag, in der Feinmechanik-Werkstatt der Uni, erzählten wir die Geschichte dann noch unserem Ansprechpartner. Auch er wusste, ohne große Erklärungen sofort bescheid. Er meinte, dass man besser keine Zusatzwünsche äußern sollte, da dann sonst eben das passieren könne, was Kobotroll und mir passiert ist. Es muß also wohl stadtbekannt sein, welche Fahrradläden man besser meidet.