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Frische, akademische Geistesblitze … nicht nur, aber meist sinnfrei

Nordhessen-Einkauftour

Am 25.Sep.2005 um 15:11 meinte phbaer sagen zu müssen:

Vorab ein klei­ner Dis­clai­mer, wenn auch eher nutz­lo­ser Natur:

Die­ser Bei­trag ist sub­jek­tiv und gibt unsere per­sön­li­che Mei­nung wieder!

Wir waren unter­wegs. Wir, das sind Kobotroll und phbaer, zwei Südländer aus Bayern und Baden-Württemberg, angestellt an der Uni Kassel. Momentan sind wir dabei, einen autonomen Roboter zu bauen. Genau für diesen Zweck mussten wir uns in das unheimliche Einkaufsgetümmel der Stadt Kassel wagen. Dabei entstand die Idee, die von uns besuchten Geschäfte zu bewerten. Wir versuchen dabei völlig neutral zu bleiben, was bei der von uns erlebten Situation nicht sonderlich einfach ist. Hier der Bericht.

Um den Grip der Räder unserer Roboter zu erhöhen, waren wir am Freitag morgen auf der Suche nach Fahrradschläuchen. Genauer gesagt suchten wir einen Schlauch eines Rennrads, mit möglichst glatter Oberfläche. Glatt deshalb, weil der Schlauch über die Räder gezogen werden soll. Unebenheiten im Gummimantel wirken sich auf die freie Beweglichkeit der Räder negativ aus. So weit, so gut. Wir dachten nicht, dass diese Produktanforderungen problematisch sind. Wir sollten jedoch eines Besseren belehrt werden.

Radsport Bornmann

Radsport Bornmann

Als erstes gingen wir in den Fahrradladen, der sich schräg gegenüber der Universität in der Wilhelmshöher Allee befindet. Radsport Bornmann. Wie auf der Webseite zu lesen ist, sollte man sich schon auf eine besondere Umgangsart gefasst machen:

``Wir sind eine unkomplizierte und schnelle Truppe von jungen Leuten die einiges möglich machen und auch jede Menge Spaß bei der Arbeit haben.
Sicherlich ist in unserem Geschäft nicht alles so, wie Sie es von der Konkurrenz gewohnt sein mögen, mit unserem eigenen Stil und auch Umgangsart. Dieser Stil mit den besten Preisen, gepaart mit Ehrlichkeit und Offenheit, wird von vielen geschätzt und wir hoffen, dass auch Sie diese Art schätzen lernen.''

(http://www.ciclib.de/, 25.09.2005, 15:09 Uhr)

Diese neue Art der Freundlichkeit konnten wir auch dann schnell am lebendigen Beispiel erfahren. Wir betraten das Geschäft. Großer Raum, voll gestellt mit Fahrrädern -- gut, ist ja auch ein Fahrradladen. Ich begab mich zur Theke. Einige Leute, offensichtlich Mitarbeiter, waren damit beschäftigt, Kisten auszupacken. Ich stellte mich an die Ein-Mann-Schlange. Kurze Zeit später war ich dann an der Reihe, und ein etwas älterer Mann forderte mich auf, meinen Wunsch zu äußern. Da ich ein Stück alten Fahrradschlauch als Beispiel dabei hatte, sagte ich ``Ich hätte gernen einen Fahrradschlauch, wie diesen hier.'' Er drehte sich um, zum Regal hinter ihm. Da fügte ich noch hinzu: ``Aber mit möglichst glatter Oberfläche.'' Er entgegnete mir: ``Was? Sowas habe ich ja noch nie gehört! Ich verkaufe Fahrradschläuche!'' Er drehte sich von mir weg und bediente den nächsten Kunden. Ich stand da, Kobotroll daneben. Wir schauten uns an, waren sprachlos. Ich sagte dann etwas in der Art: ``Ähh, hallo? Was war das denn jetzt bitte?!?''. Er, freundlich wie schon zuvor, warf mir an den Kopf ``Gehen Sie jetzt!''. Wir konnten das nicht fassen? Hatte ich etwas Falsches gesagt? Was war da los? Ich sagte nochmals, dass ich doch nur einen Fahrradschlauch haben möchte. Er blieb hart. Auch Kobotroll konnte sich jetzt nicht mehr zurückhalten, und wollte wissen, was hier passiert war. Er schmiss uns raus. Gezwungenermaßen haben wir dann das Ladenlokal verlassen.

Vor der Türe wollte gerade der Kunde, der dann bedient wurde, auf seinem Fahrrad den Schauplatz verlassen. Er grinste. Ich fragte ihn, was das sollte und was da überhaupt passiert war. Er meinte nur ``Das ist normal. Da darf man sich nichts dabei denken.'' Wir sollten es einfach nochmal versuchen. Gesagt, getan. Nochmal rein. Der nette Verfäufer von gerade eben stand immer noch hinter der Theme. Er machte nicht den Eindruck, dass er was verkaufen wollte, drum fragte ich ihn, ob es noch andere Verkäufer gibt. Da diese Firma aber anscheinend nicht auf Kunden angewiesen war, schmiss er uns erneut raus. Ich fragte dann noch, wo wir denn einen anderen Fahrradladen in Kassel finden könnten. Er, wie immer freundlich, erwiderte ``Da in der Innenstadt.''.

Wertung: Ungenügend

Kein Einkaufserfolg beim ersten Geschäft. Mir machten uns auf in Richtung Innenstadt.

Zweiradtechnik und Fachservice ZAHN

Zweiradtechnik und Fachservice ZAHN

Nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Apotheke, um nach dem Weg zu fragen, erreichten wir dann Zweiradtechnik und Fachservice ZAHN, günstig gelegen direkt neben dem Capi­tol. Mit einem etwas flauen Gefühl in der Magen­ge­gend betra­ten wir schließ­lich das zweite Fahr­rad­ge­schäft. Wir stell­ten uns an und war­te­ten gespannt dar­auf, bedient zu wer­den. Alles war mög­lich. Die Frau hin­ter der Theke erschien uns gleich sym­pa­thisch. Sie fragte, was wir suchen wür­den. Ich schil­derte ihr unser Anlie­gen und siehe da: freund­lich, hilfs­be­reit und enga­giert! Sie orga­ni­sierte uns gleich einen alten Schlauch aus der Werk­statt, packte einen neuen Schlauch aus, prüfte die Naht­stel­len, schnitt über­flüs­si­ges Mate­rial an eben die­sem ab. So hat­ten wir uns das vor­ge­stellt! Es gibt auch in Deutsch­land noch Läden — wenn auch nicht all zu viele –, die ihren Kun­den mit Freund­lich­keit begeg­nen. Am Ende sind wir dann sogar mit zwei Schläu­chen, beide lei­der mit etwas zu viel Pro­fil, wie­der in Rich­tung Uni gelaufen.

Es tut mir leid, dass ich hier nicht mehr schrei­ben kann. Ich gehe bei Ein­käu­fen von einer gewis­sen Freund­lich­keit der Geschäfts­in­ha­ber und Ver­käu­fer aus. Andern­falls kann ich mich, Markt­wirt­schaft und Kon­kur­renz sei dank, auch anders ent­schei­den. Wir kön­nen nur eines sagen:

Zwei­rad­tech­nik und Fach­ser­vice ZAHN in Kas­sel, direkt neben dem Capi­tol, ist ein sehr emp­feh­lens­wer­tes Fahr­rad­lä­del­chen mit freund­li­chem und kom­pe­ten­tem Personal.
Wer­tung: Her­vor­ra­gend

Nach­be­rei­tung

Gut. Der Tag hat uns viele Gedan­ken beschert. Wir konn­ten uns nicht ent­schei­den, wel­ches der bei­den Unter­neh­men seine Kun­den eher würde hal­ten kön­nen, sofern es über­haupt Kun­den gibt, die es gilt zu hal­ten. Für uns ist die Sach­lage jeden­falls klar.

Was uns dann aber noch wei­ter beschäf­tigt hat, war die Reak­tion eini­ger Kas­sela­ner (oder Kas­se­ler oder Kas­se­lä­ner, oder wie man da auch immer sagt. Für uns sind es der Ein­fach­heit hal­ber nur Kas­s­ler) hat uns schon etwas zu Den­ken gegeben.

Als wir bei ZAHN unsere Geschichte erzähl­ten, natür­lich ohne Namen zu nen­nen, wuss­ten sie sofort, wo wir zuvor raus­ge­flo­gen waren. Etwas spä­ter am Tag, in der Feinmechanik-Werkstatt der Uni, erzähl­ten wir die Geschichte dann noch unse­rem Ansprech­part­ner. Auch er wusste, ohne große Erklä­run­gen sofort bescheid. Er meinte, dass man bes­ser keine Zusatz­wün­sche äußern sollte, da dann sonst eben das pas­sie­ren könne, was Kobo­troll und mir pas­siert ist. Es muß also wohl stadt­be­kannt sein, wel­che Fahr­rad­lä­den man bes­ser meidet.

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